Ein altes Möbelstück können Sie selbst auffrischen, wenn es stabil gebaut ist und nur kleinere Schäden hat. Prüfen Sie zuerst, ob es aus Massivholz besteht oder furniert ist: Furnier ist eine dünne Holzschicht auf einem Untergrund aus einem anderen Material. Schleifen Sie es nur vorsichtig. Reparieren Sie lose Verbindungen und beschädigte Stellen, bevor Sie die Oberfläche behandeln.
Bei wertvollen Erbstücken, großen Furnierschäden oder unbekannten alten Anstrichen sollten Sie fachlichen Rat einholen. Alte Anstriche können Schadstoffe enthalten. Beim trockenen Abschleifen oder Erhitzen gelangen sie als Staub oder Dämpfe in die Luft.
Zustand prüfen und Ziel festlegen
Untersuchen Sie das Möbel rundum bei gutem Licht. Achten Sie auf wackelige Beine und lockere Beschläge. Prüfen Sie außerdem die Oberfläche auf Kratzer, Risse und Wasserflecken sowie auf abgelöste Furnierkanten. Machen Sie vorher ein Foto. So halten Sie den ursprünglichen Zustand und die Lage einzelner Teile fest.
Prüfen Sie auch, ob Sie den alten Lack wirklich vollständig entfernen müssen. Eine matte, aber intakte Oberfläche braucht oft nur eine gründliche Reinigung und eine passende Auffrischung. Tiefe Kratzer, lose Furnierstücke oder abgeplatzter Lack verlangen mehr Arbeit. Bei einem furnierten Möbelstück sollte die Schleifmaschine nur mit großer Vorsicht eingesetzt werden, denn die dünne Deckschicht kann schnell durchgeschliffen sein.
Beginnen Sie am besten mit einem kleinen Möbelstück, dessen Wert für Sie überschaubar ist. Lassen Sie wertvolle Stücke, Intarsien oder Möbel mit großflächig fehlendem Furnier von einer Restaurierungsfachkraft reparieren.
Arbeitsplatz und Werkzeug vorbereiten
Arbeiten Sie möglichst draußen oder in einem gut belüfteten Raum. Decken Sie den Boden ab und halten Sie Staub von frisch behandelten Flächen fern. Schrauben Sie Griffe und Beschläge ab und bewahren Sie alles zusammen auf. Markieren Sie zusammengehörige Bauteile, wenn Sie das Möbel auseinandernehmen.
Für die meisten kleinen Reparaturen reichen:
- Schraubendreher, Schleifklotz und Schleifpapier in den passenden Körnungen
- Spachtel, Holzleim und Zwingen
- weiche Zulagen für die Zwingen, damit sie keine Druckstellen hinterlassen
- Staubsauger, Bürste und fusselfreie Tücher
- je nach Oberflächenmittel ein Pinsel oder ein weiches Auftragstuch
Mit einem Exzenterschleifer bearbeiten Sie größere Flächen leichter. Für Ecken, Profile und kleine Stellen ist Handschliff meist besser zu kontrollieren. Beim Schleifen folgen Sie der Holzmaserung. Staubschutz und Absaugung gehören dazu: Das Umweltbundesamt empfiehlt beim Schleifen mit Geräten einen Staubsammler und partikelfiltrierenden Atemschutz der Klasse P2 oder P3. Beachten Sie zusätzlich die Hinweise des jeweiligen Produkts.
Alte Anstriche vorsichtig behandeln
Schleifen Sie unbekannte alte Lacke oder Farben nicht einfach trocken ab. Bei historischen Beschichtungen kann Blei enthalten sein. Die Gefahr ist bei alten Holzbeschichtungen bekannt, etwa bei manchen Anstrichen aus der Zeit vor ungefähr 1960; für die neuen Bundesländer nennt die BG BAU Beschichtungen bis ungefähr 1990. Diese Zeitangaben beweisen nicht, dass ein bestimmtes Möbelstück belastet ist. Sie sind aber ein Grund, alte Anstriche vorsichtig zu behandeln.
Abbeizmittel, also Mittel zum Entfernen alter Lacke, und Heißluft bergen ebenfalls Risiken. Abbeizer können Lösungsmittel oder stark ätzende Stoffe enthalten. Beim Erhitzen alter Lacke können giftige Dämpfe entstehen. Müssen Sie die Beschichtung entfernen, lesen Sie die Produktangaben genau. Lüften Sie ausreichend und klären Sie, wie Sie Lackreste entsorgen. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass solche Reste Schadstoffe enthalten und als Sonderabfall gelten können. Bei einem verdächtigen alten Anstrich holen Sie vor dem Entfernen fachlichen Rat ein.
Schäden zuerst reparieren
Reparieren Sie Schäden an der Konstruktion und am Holz, bevor Sie schleifen oder ein neues Finish auftragen. So vermeiden Sie, dass Leim, Spachtel oder Reparaturwachs auf eine fertige Oberfläche gelangen.
| Schaden | Vorgehen |
|---|---|
| Wackelige Verbindung | Entfernen Sie lose Leimreste vorsichtig, verleimen Sie die Teile neu und pressen Sie sie auf einer geraden Fläche zusammen. Verwenden Sie Zulagen zwischen Zwinge und Holz. |
| Abgelöste Furnierecke | Geben Sie Holzleim unter das Furnier und drücken Sie es mit einer Zulage und einer Zwinge oder einem Gewicht an. Ein Stück Papier zwischen Zulage und Furnier verhindert, dass die Zulage festklebt. |
| Blase unter Furnier | Dosieren Sie Leim vorsichtig unter die gelöste Stelle, zum Beispiel mit einer feinen Einwegspritze. Pressen Sie das Furnier an, bis der Leim getrocknet ist. |
| Kratzer oder kleine Macke | Prüfen Sie, ob nur die Beschichtung oder auch das Holz beschädigt ist. Oberflächliche Spuren lassen sich anders behandeln als tiefe Kerben. Für tiefe Stellen kommen je nach Ausführung Holzkitt oder Reparaturwachs infrage. |
| Loch oder Riss | Füllen Sie die Stelle mit einem geeigneten Reparaturmittel. Nach dem Aushärten lässt sich überschüssiges Material vorsichtig abziehen und glätten. |
| Druckstelle | Ausdämpfen mit einem feuchten Tuch und Bügeleisen wird für bestimmte geölte Oberflächen beschrieben, wenn die Holzfasern nicht gebrochen sind. Prüfen Sie vorher, ob die Methode zum Holz und zur vorhandenen Oberfläche passt. |
Bei Schädlingsspuren, Schimmel oder großflächigen Schäden sollten Sie nicht einfach überstreichen oder ölen. Erst muss geklärt werden, was die Ursache ist und ob eine Fachbehandlung nötig ist.
Schleifen und Staub entfernen
Schleifen Sie nur so viel Holz ab, wie für die Reparatur nötig ist. Bei kleineren Flächen arbeiten Sie mit einem Schleifklotz; für größere Flächen kann ein Exzenterschleifer helfen. Als grobe Orientierung gelten Körnungen unter 120 als grob, 120 bis 180 als mittel und über 180 als fein. Welche Körnung passt, hängt von Holz, Beschichtung und Zustand ab. Bei Furnier zählt besonders ein leichter, kontrollierter Abtrag.
Entfernen Sie nach dem Schleifen den Staub gründlich mit Bürste und Staubsauger. Saugen Sie auch die Umgebung ab, bevor Sie lackieren oder eine andere Oberflächenbehandlung auftragen. Schleifstaub auf einer frischen Oberfläche hinterlässt Unebenheiten.
Öl, Lack oder Wachs wählen
Das passende Oberflächenmittel hängt von der vorhandenen Beschichtung, der Nutzung und dem gewünschten Aussehen ab. Testen Sie ein Mittel zuerst an einer unauffälligen Stelle. So sehen Sie, wie sich Farbe und Glanz verändern und ob die neue Behandlung zur alten Oberfläche passt. Mischen Sie verschiedene Mittel nicht ohne Prüfung ihrer Verträglichkeit.
Öl zieht ins Holz ein und bildet keine geschlossene Schutzschicht wie Lack. Es eignet sich für eine natürliche Optik, verlangt aber Pflege nach den Angaben des Herstellers. Lack bildet eine Schutzschicht gegen Feuchtigkeit und mechanische Belastung. Arbeiten Sie dabei gut belüftet und halten Sie sich an die Trocknungs- und Verarbeitungshinweise auf dem Gebinde.
Wachs und Schellack sind weitere Möglichkeiten, passen aber nicht zu jeder vorhandenen Beschichtung oder Nutzung; Beize verändert den Farbton und eignet sich ebenfalls nicht für jedes Holz und jede alte Oberfläche. Wenn Sie die bisherige Beschichtung nicht sicher bestimmen können, wählen Sie kein Mittel allein nach der Holzfarbe aus. Lassen Sie sich im Fachhandel beraten oder wenden Sie sich bei einem wertvollen Möbelstück an eine Restaurierungsfachkraft.
Ölgetränkte Tücher und Schleifpads können sich selbst entzünden. Wässern und entsorgen Sie sie nach den Hinweisen auf dem Produkt. Lassen Sie sie nicht zusammengeknüllt liegen.



